Schwitzhütte am Kaiserstuhl
Naomi Pamuya, Schamanin am Kaiserstuhl, beim Einweihen ihrer eigenen schamanischen Schwitzhütte
Die Schwitzhütte ist eine uralte heilige Reinigungszeremonie. Das Schwitzen und Beten in diesem heiligen Raum bewirkt eine Reinigung aller Körper: des physischen, des emotionalen, des mentalen und des spirituellen. Du wirst äußerlich wie innerlich gereinigt und erlebst eine Verbindung, eine Wiedervereinigung mit den Schöpferkräften.
Aufbau einer Schwitzhütte
Die Schwitzhütte ist ein niedriger, kuppelförmiger Bau aus biegsamen Ästen, meist Weiden oder Haselruten. Das Grundgerüst aus Ästen wird mit Wolldecken oder Fellen lichtdicht abgedeckt. Im Zentrum befindet sich eine kleine Grube für die erhitzen Steine.
Die Schwitzhüttenzeremonie symbolisiert einen Liebestanz, eine Verbindung, eine Umarmung zwischen der Sonne und der Erde. Das Feuer vor der Schwitzhütte symbolisiert die Sonne. Die kuppelförmige Hütte symbolisiert die Gebärmutter der Erde. Sie sieht aus wie der Bauch einer schwangeren Frau, die auf der Erde liegt.
Heilige Linie zwischen SONNE UND ERDE
Während des Rituals ist die Linie zwischen dem Feuer (der Sonne) und der Schwitzhütte (der Erde) heilig und darf nicht überschritten werden. Sobald das Feuer entzündet ist, zelebrieren wir die Vereinigung zwischen Sonne und Erde. Nur mit dem Licht, der Kraft und der Liebe der Sonne ist Leben auf der Erde möglich.
Steine, die während des Rituals ins Zentrum der Schwitzhütte in einer kleine Grube Platz finden, werden außerhalb der Hütte in einem Feuer vom Feuerhüter stark erhitzt und dann zur Hütte gebracht - durch diese rot glühenden Steine entsteht in der Schwitzhütte durch Kräuter und Wasseraufgüsse der duftende Dampf.
Während der Schwitzhütten - Zeremonie
…gehen wir zurück in diesen symbolischen Bauch der Erde. Ihr Raum bietet uns den Schutz und die Geborgenheit, die es braucht, um uns einzulassen, loszulassen und uns den Kräften zu ergeben. Wir verbinden uns mit Mutter Erde, den Elementen, den Sternen und Planeten. Wir beten und singen für uns und andere.
Durch diese Zeremonie erleben wir eine Reinigung und Erneuerung. Und wenn wir aus der Hütte kommen, sind wir aus dem Bauch von Mutter Erde neu geboren.
Sobald du die Anderswelt mit deinem Hineingehen in die Schwitzhütte betrittst hebt sich die Zeit auf. Du wirst in der Schwitzhütte nicht auf die Uhr gucken und überprüfen wollen, ob die Zeit rum ist. Wir sind solange in der Schwitzhütte, bis wir bereit sind wiedergeboten zu werden. Das kann dauern oder auch schnell gehen. Aus diesem Grund ist die Veranstaltung immer als Open End geplant.
Wir beten laut und ja, jede*r in der Runde und selbst der Feuerhütter kann dich zumeist hören. Hierin liegt die Kraft deines Gebetes. Eine*r spricht und alle anderen halten den Raum für dein Beten und dein Bitten. Dein Sprechen wird bezeigt, vom Universum und von den anwesenden Menschen, der Gemeinschaft. Und trotzdem kannst du auch was nicht sagen oder etwas leise flüstern. Das ist deine Wahl.
Falls du in der Schwitzhütte denkst “Hoffentlich vergesse ich nichts…” Das ist ganz normal, so sind wir Menschen. Lass diesen Gedanken los. Für dich wird der Raum gehalten und deine Worte werden bezeugt und auch du hältst den Raum für die Anderen und bezeugst die gesprochenen Worte in der Schwitzhütte.
In der Schwitzhütte nehmen wir unseren zuvor gewählten Platz ein und ich rufe den 20 Count, die 20 Heilgen Kräfte des Medizinrades nach den Lehren der Twisted Hairs. Es gibt viele Einzelheiten, die ich im Detail hier nicht beschreibe. Wichtig für dich zu wissen sind die vier Runde, die wir in der Schwitzhütte zusammen verbringen.
Wir beten in der ersten Runde für uns, für unser Leben. In dieser Runde ist es wichtig, nicht für wen auch immer zu beten und zu bitten. Bete und bitte wirklich für dich.
Du beginnst immer mit deinem Namen und zu wem du betest. Bei mir würde sich das so anhören: Hey, Hey, hier ist Naomi Pamuya. Wakan Tanka, große Göttin, großes Geheimnis, Naomi Pamuya spricht. Ich bitte, dass ich immer wieder den Mut habe, mich hier an diesem Ort auszudehnen. Ich kann auch für meine Gesundheit bitten oder ich bitte darum, dass ich jemanden kennenlerne. Was auch immer dir einfällt, du bittest einfach für dich und du hältst diesen Raum für dich.
In der zweiten Runde bitten wir für andere. Hier kannst du für deine Schwester, für deinen Mann, für dein Kind, für deine Oma, für die Wölfe, für die Bäume, für die Ozeane, für was auch immer bitten. Ich würde zum Beispiel bitten, dass der Kaiserstuhl wieder mehr Obstbäume bekommt und dass die Wasserqualität sich hier verbessert.
In der dritten Runde geht es ums Loslassen. Hier lassen wir los. Das könnten wir zum Beispiel so machen: Wir rufen alle gleichzeitig “Ich lasse los” und dann brüllen wir alles raus. Wir überlegen nicht, “Vielleicht lasse ich mal das los…” oder “Also ich habe ja mal gedacht, naja, vielleicht könnte ich…” oder “Also ja, vielleicht ist es auch gut, wenn ich das…” Die dritte Runde ist eine schnelle, wilde Runde.
Die vierte und letzte Runde ist oft eine schamanische Reise, die ich führe. Dann lasse ich dich in die Erde sinken. Manchmal zeigen mir die Spirits auch etwas anderes und ich folge diesem Impuls zum Wohle aller.
Mein RUF der Schwitzhütten - Magie: jetzt am Kaiserstuhl
Mich selbst hat die Schwitzhütte 2014 gerufen. Ich bin dem Ruf gefolgt und war viele Dutzende Male in der Schwitzhütte, bevor ich jetzt in diesem Frühling 2026 meine eigene Schwitzhütte auf dem Berg gebaut habe.
Ich habe verschiedene Schwitzhütten-Zeremonien erlebt und bin auf unterschiedlichste Art berührt und auch inspiriert worden. Ich folge einer Tradition und gleichzeitig öffne ich einen Raum, in dem du dich mit allen Welten und Kräften und mit dir selbst verbinden kannst, sodass du neugeboren in Schönheit und Kraft leuchtest.
Dein eigener Erfahrungsraum in meiner Schwitzhütte am Kaiserstuhl
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